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Audioguide, Mediaguide, App – verschmelzen die Endgeräte?

Individuelle Stadtführungen können per Audioguide (hier: Orpheo MIKRO), Mediaguide oder mit einer eigenen App realisiert werden.

Audioguides sind bei einer Besichtigung von Museen und Sehenswürdigkeiten auf der ganzen Welt nicht mehr wegzudenken. Schon lange gehören die kleinen “Museumsführer” bei vielen Einrichtungen zum regulären Angebot. Der Grund dafür ist schnell gefunden. Im Zuge einer fortschreitenden Globalisierung und Digitalisierung hat sich der Tourismus verändert. Die Mobilität reisender Menschen nimmt ständig zu. Längst sind Museen, Stadtführungen und Werksbesichtigungen mit einem internationalen Besucherspektrum konfrontiert. Große Häuser geben ihre Audioführung in zahlreichen Sprachen aus. Kleinere Einrichtungen bieten zumeist mindestens Englisch als Alternative zur deutschen Führung an. Doch kontinuierlich ändern sich die Ansprüche an die Endgeräte und die medialen Möglichkeiten des Audioguides. Was gilt es als Anbieter zu bedenken? Und wie kann man auf Innovationen wie den Mediaguide oder die App reagieren?

 

Verschmelzen die Endgeräte?

Auch im Audioguide-Bereich ist eine technische Entwicklung zu beobachten. Seit gut zwei Jahrzehnten gibt es den tragbaren Audioplayer mit Nummerntastatur. Später kamen kleine Displays hinzu. Im Lauf der Zeit wurden die aufgrund ihrer Größe oftmals so genannten “Hörknochen” kleiner und leistungsfähiger und verfügten über immer mehr Speicherplatz. Zudem sind automatische Auslösungen oder Synchronisationen möglich. Seit rund zehn Jahren bieten Museen auch gern Multimediaguides an. Aus der eigenen Audioführung wurde damit bereits eine eigene Softwareanwendung. In den letzten Jahren wird bei digitalen Stadtführungen und in einigen Museen auf die Ausgabe von Hardware ganz verzichtet. Eine native App, die der Besucher auf sein eigenes Smartphone herunterlädt, reicht aus, um rund um die Uhr eine Führung zu nutzen. Dabei ist festzuhalten, dass multimediale Führungstechnik die Funktion eines Audioguides beibehält, also eine Audioführung abspielt. Dazu kommen jedoch unterstützend visuelle Elemente wie Karten, Videos und Bilder.

Eine eigene App ermöglicht die multimediale Führung auf dem Endgerät des Besuchers selbst. Zudem bieten moderne Smartphones zusätzliche Möglichkeiten. Die Routenführung via GPS, das Scannen von QR-Codes mit der Kamera und die Auslösung einzelner Kommentare mit Beacons sind nur einige davon. Aufwändige Lösungen arbeiten mit Augmented Reality, Virtual Reality oder automatischer Bilderkennung.

Erst kam der Audioguide, dann der Multimediaguide – ist die App nun der neue Standard? So einfach ist es dann doch wieder nicht. Denn die neuen Medien und Möglichkeiten schließen den klassischen Audioguides nicht aus. Wohl aber kann man sehen, dass beispielsweise Audio- und Videoinhalte auf dem Mediaguide zusammengeführt werden. Die Möglichkeiten in der Präsentation musealer und kultureller Inhalte wachsen. Die Geräte können tendenziell immer mehr Funktionen abdecken. Doch wie verhalten sich die Anbieter wie Museen, Sehenswürdigkeiten und Tourist-Informationen?

 

Eine Frage der Inhalte

Modernste Multimediaguides, wie der Orpheo TOUCH, erlauben eine Vielzahl neuer Möglichkeiten.

Vor einer Anschaffung ist es sinnvoll, die Frage nach dem tatsächlichen Bedarf zu stellen: Welche Inhalte sollen den Besuchern zur Verfügung gestellt werden? Ist beispielsweise eine Audioführung in verschiedenen Sprachen für ein sehr breites Publikum das Ziel, so eignet sich der klassische Audioguide weiterhin sehr gut. Sprechen die Exponate für sich, sind zusätzliche Inhalte wie Videos, Bilder oder Karten nicht unbedingt nötig – und somit auch kein Multimediaguide. Wer jedoch historische Fotos oder Videos in einer Stadtführung zeigen möchte, ist mit einem Mediaguide gut beraten. Eine multimediale Führung kann für die Navigation in großen Museen oder im Außenbereich ein wichtige Unterstützung sein. Die inhaltliche Konzeption einer Führung sollte daher möglichst vor der Anschaffung der Hardware feststehen. Hierfür ist es wichtig, die Struktur des eigenen Publikums zu kennen, wie etwa:

  • die Anzahl der Besucher pro Jahr oder zu bestimmten Zeiten des Jahres
  • die Herkunft der Besucher (Sprache, Kultur, …)
  • die Altersgruppen
  • die Organisation des Besuches (Individualtourismus vs. Busreisen, …)
  • die technische Affinität der Besucher
  • den Zugang bzw. die Öffnungszeiten der Einrichtung
  • die Organisation des eigenen Ausgabepersonals

Für die Anschaffung von Führungstechnik ist zum Beispiel die Frage relevant, ob pro Tag mehrere hundert Geräte ausgegeben werden müssen oder nicht. Ist die Anzahl der Inanspruchnahme von Audioguides besonders hoch, stellen klassische Audioguides eine günstige und für alle Besucher schnell verständliche Lösung dar. Mit einem Sprachumsteller können die Geräte vom Personal in Sekundenschnelle für die Besucher eingestellt werden. Große Gruppen und Besucherströme können so schnell bedient werden.

Anders ist es bei einer Stadtführung für Individualtouristen. Oft steht hierfür wenig Ausgabepersonal zur Verfügung oder die Öffnungszeiten der Tourist-Information sind begrenzt. Folglich kann eine App sinnvoll sein. Der Download ist über iTunes und Google Play rund um die Uhr möglich. Die Navigation zu den Stationen kann per interaktiver Karte und GPS-Auslösung unterstützt werden.

 

Audioguide und Mediaguide als Teil der Ausstellung

In manchen Sehenswürdigkeiten ist der Einsatz des Audioguides obligatorisch. Besonders große Besucherströme machen persönlich geführte Besichtigungen unmöglich. In berühmten Schlössern greift man seit Jahren auf Audioguides in zahlreichen Sprachen zurück. Zudem gibt es Ausstellungen (wie in der Fotostiftung Schweiz) bei denen die Audiokommentare ein unabdingbarer Teil des Besuches sind. Vor allem im App-Bereich können Augmented Reality- oder Virtual Reality-Elemente den Exponaten gleichgestellt sein. Die Auslösung von Stationen auf Audioguides oder Multimediaguides über Infrarot oder Bluetooth kann die Eingabe einer Nummer ersetzen. Videos auf Bildschirmen vor Ort können in einer oder mehreren Sprachen synchronisiert werden, so dass ein störender Raumton entfällt.

 

Bei Produktionen in Gebärdensprache (DGS, ISL) ist zu beachten, zertifizierte Produzenten zu beauftragen.

Inklusives Führungsangebot – technische Vielfalt als Chance

Inklusion und Barrierefreiheit sind als Teil des medialen Angebotes nicht mehr wegzudenken. Dabei haben die Besucher je nach Beeinträchtigung spezielle Anforderungen. Für Menschen, die schlecht oder gar nicht sehen können, ist der Touchscreen eine ungeeignete Lösung. Zwar nutzen auch blinde Personen inzwischen Smartphones (mit haptischem Feedback und Sprachsteuerung), doch die Nutzung eines fremden Leihgeräts ist nicht einfach. Audioguides mit physischen Tasten und Braille-Markierungen sind hier eine beliebte Lösung. Der Fokus der Wahrnehmung liegt bei dieser Zielgruppe ohnehin auf dem Hörerlebnis.

Bei Besuchern ohne Hörvermögen müssen Videos in Gebärdensprache produziert werden, um erzählte Inhalte sichtbar zu machen. Die Wiedergabe kann über eine App oder auf Multimediaguides erfolgen. Personen, die ein Hörgerät mit Telefonspule tragen, können mit jedem Endgerät eine Audioführung erleben. Anstatt eines Kopfhörers wird eine Induktionsschleife an den Audioguide, Mediaguide oder das Smartphone angeschlossen, und überträgt den Ton auf das Hörgerät. So profitieren inklusive Besucherführungen ebenfalls von der Vielfalt technischer Führungsangebote.

 

Die eigene Konzeption

Die Ausweitung der technischen Möglichkeiten von Mediaguide und App trägt also dazu bei, dass das Angebot für selbstgeführte Rundgänge immer besser wird. Der klassische Audioguide ist dabei keineswegs verschwunden, sondern nach wie vor als robustes und kostengünstiges Angebot beliebt und vielfach nachgefragt. Denn – last but not least – ist natürlich auch alles eine Frage des verfügbaren Budgets. Kosten und Nutzen einer Lösung sollten in einem guten Verhältnis stehen. Für Museen, Sehenswürdigkeiten und Stadtführung empfiehlt es sich also, offen für neue Lösungen zu sein. Gleichzeitig sollte aber immer eine ehrliche Analyse zur eigenen Konzeption führen – und diese dann über das eigene Besucherangebot bestimmen.