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Hör mal! Kreative Audioführungen für Kinder

Audioguides für Kinder - Kleiner Junge steht im Museum

Ein Museumsbesuch ist für Familien oft nicht einfach. Während die Eltern sich in Ruhe eine Ausstellung anschauen wollen, sind die Kinder bald gelangweilt. Sie möchten lieber draußen spielen, als sich eine Führung anzuhören. Um diesen Konflikt zu vermeiden, gehen Familien nicht mehr ins Museum. Lehrer wählen für Schulausflüge mit Ihren Klassen eher Museen, die kindgerechte Führungen bieten. Kulturelle Einrichtungen mit jungen Besuchern brauchen daher eine Führung, die sich auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten von Kindern einstellt. Die Konzeption einer Kinderführung ist für uns immer sehr spannend. Schließlich müssen sich die Autoren in die kindliche Welt einfühlen. Was genau beim Erstellen einer Kinderführung beachtet werden muss, erklären wir mit diesem Blogbeitrag.

Kinder sind neugierige Forscher

Die Aufmerksamkeitsspanne von Kindern ist sehr kurz. In der Schulpsychologie existiert dazu eine Faustregel: Acht- bis Zehnjährige können sich 20 Minuten intensiv mit einem Thema beschäftigen, Elf- bis Zwölfjährige gerade mal fünf Minuten länger und Dreizehn- bis Sechzehnjährige etwa 30 Minuten. Eine einstündige Museumsführung ist daher meist schon zu lang.

Glücklicherweise gibt es Methoden, welche die Konzentration fördern und gleichzeitig die kindliche Neugier wecken. Kinder konzentrieren sich in einer Umgebung mit weniger Reizen besser. Umgekehrt fördern visuelle Reize oder Ausstellungsgegenstände, die Kinder mit Händen erforschen und welche auch auf die Hörführung abgestimmt sind, die Aufmerksamkeit. Das Lernen durch Erleben steht dann im Vordergrund. Die Führung wird auf einmal spannend. Kinder haben außerdem noch einen geringeren Wissensstand als viele der erwachsenen Besucher, die sich mit einem Audioguide oder per Museumsapp durch ein Museum führen lassen. Welchen Mehrwert hat zum Beispiel eine Führung zum Thema „Weimarer Republik“, wenn politische Zusammenhänge für Kinder noch zu komplex sind? Der Text zur Führung muss die Schwerpunkte eines Themas anschaulich, kurz und informativ erklären.

Interview mit Karen Matting – Worauf es bei einer Kinderführung ankommt

Bei der Gestaltung einer kindgerechten Hörführung muss ein Autor noch viel mehr als nur die Dauer und die Verständlichkeit des Sprechtextes beachten. Karen Matting, die an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) das Drehbuchschreiben studiert und bereits Audioführungen für Orpheo geschrieben hat, gibt einige Einblicke in Ihre Arbeit.

 

Wie lässt sich eine Audioführung für Kinder spannend gestalten?

Karen Matting, eine Autorin für Kinderführungen und Audioguides für Kinder

Autorin von Kinderführungen: Karen Matting

Alle Leute lieben Geschichten, Kinder natürlich auch. Und spannende Geschichten sind immer am allerbesten. Wenn ich für Kinder schreibe, lasse ich mich beim Besuch des Ortes, für welchen ich den Audioguide schreibe, inspirieren. Gibt es etwas wirklich Spannendes, Geheimnisvolles aus dessen Geschichte? Wenn es dies gibt, hauche ich historischen Figuren oder Gegenständen „Leben“ ein. Taugen diese Protagonisten zur Identifikation für unsere Zuhörer und Zuhörerinnen, dann führen sie durch den Audioquide. Sie nehmen die Kinder sozusagen „ans Ohr“, sprechen diese bestenfalls in direkter Rede an. Ansonsten stelle ich ihnen ein neugieriges Kind aus der Gegenwart an die Seite, welches mit unseren Hörern die Welt hinter der Führung entdeckt und erforscht. Das sollte ruhig witzig, frech und lebendig sein. Denn nichts ist langweiliger als verstaubte Geschichtsvermittlung.

 

Was ist bei der Texterstellung im Allgemeinen zu beachten?

Texte für Kinder-Audioquides sollten nicht zu lang sein. Am besten ich beginne mit einer spannenden Frage, um das Interesse der Hörerinnen und Hörer zu wecken. Jahreszahlen setze ich sparsam ein. Es ist doch viel spannender zu erfahren, dass ein Turm 170 Stufen hat, als dass er im Jahr 1635 erbaut wurde.

 

Wie wird die Aufmerksamkeit bei der Audioführung gefördert und aufrecht erhalten?

Während des Rundganges arbeite ich auch gern mit Geräuschen und Tönen, damit versuche ich mit den Hörern und Hörerinnen „durch die Zeit“ zu reisen. Wenn es passt, lasse ich gern etwas Überraschendes passieren. Vielleicht gibt es ein Geräusch, bei dem man erst einmal nicht weiß, was das genau ist. Ich lade die Kinder ein, etwas zu entdecken. Nicht nur passiv sich „zutexten“ zu lassen, sondern aktiv zuzuhören. Ich möchte ihnen Raum für ihre eigene Vorstellung lassen. Ich ziehe auch Parallelen vom Damals zum Jetzt, stelle Vergleiche an. Wie war es früher? Wie erlebt ihr es heute?Ich gebe Denkanstöße. Ein sehr wichtiger Punkt beim Schreiben der Texte ist für mich: Ich nehme die Kinder ernst, versuche mich nicht in einer „kindlichen“Sprachen anzubiedern. Vielmehr entdecke ich meine eigene kindliche„Seele“ und schreibe darüber, was ich selbst spannend finde. Geschichte und Geschichten sollen Spaß machen. Wissen zu erfahren soll Freude bringen und inspirieren.

Ein Beispiel aus der Praxis: Die Kinderführung durch das Stadtmuseum Fürth

Stadtmuseum Fürth Eingangstür

Stadtmuseum Fürth

Die bereits tausendjährige Stadt Fürth hat eine bewegte Gründungsgeschichte. Bekannt wurde sie als Zielbahnhof der ersten deutschen Eisenbahn und durch das Großversandhaus Quelle. Das Stadtmuseum Fürth veranschaulicht diese und andere interessante geschichtliche Höhepunkte. In der ehemaligen Ottoschule untergebracht, gibt es in der Dauerausstellung fünfzehn „Inseln“, die verschiedene Epochen und Themen der Stadtgeschichte behandeln. Unter dem Titel „Treffpunkt Geschichte“ entsteht daraus eine lebendige Zeitreise durch die Einrichtung, die auch Kinder mit dem Multimediaguide von Orpheo entdecken dürfen.

Karen Matting hat im Auftrag von Orpheo die Kinderführung für das Stadtmuseum Fürth verfasst. Auch bei dieser Führung hat sie sich von der Geschichte des Ortes inspirieren lassen. Großvater Max, ehemaliger Schüler der Ottoschule, führt seine Enkelin Marie durch das Stadtmuseum. Sie versteht die Welt noch nicht komplett, zieht Vergleiche zu Dingen, die sie kennt. “Der dreißigjährige Krieg – so alt ist meine Mama”, staunt über das Wissen von Opa Max, drängelt aber auch mal, wenn er zu lange in Erinnerungen schwelgt.

Marie verkörpert ein typisches Kind, mit dem sich andere Kinder gut identifizieren können. Ihr Großvater hilft ihr und zugleich auch den jungen Museumsbesuchern dabei, die Stadtgeschichte Fürths zu verstehen.  Hintergrundgeräusche wie eine Schulklingel und Kinderlärm in der ehemaligen Ottoschule machen die damalige Zeit erlebbar und nehmen Kinder mit auf die von Matting beschriebene Zeitreise. Damit soll aber nun genug über die Kinderführung im Stadtmuseum Fürth verraten sein. Wer Lust dazu hat die historisch bewegte Stadt Fürth zu entdecken, kann sich mit einem Multimediaguide von Orpheo selbst im Stadtmuseum davon überzeugen.

Audiofile Einleitung Kinderführung Stadtmuseum Fürth

 

Fazit

Beim Schreiben von Kinderführungen müssen sich Autoren in die Sichtweise eines Kindes einfühlen. Der Aspekt der kindlichen Entwicklung spielt dabei eine wesentliche Rolle, denn Kinder haben nicht den gleichen Wissensstand von Erwachsenen. Außerdem ist die Fähigkeit sich zu konzentrieren bei jungen Museumsbesuchern noch nicht sehr ausgeprägt. Das Erzählen einer Geschichte und das Untermalen mit passenden Geräuschen hilft somit beim Entdecken eines Museums oder einer kulturellen Einrichtung. Das Lernen durch Erleben steht im Vordergrund. Mal ehrlich, auch erwachsenen Besuchern bleibt eine Geschichte eher im Gedächtnis als eine monotone Museumsführung.

Nützliche Links:

rosalicht.net: Webseite von Karen Matting

Orpheo: Blog-Artikel zum Audioguide-Kauf

Orpheo: Blog-Artikel über digitale Inhalte im Museum

Kultur, Museum, Talk: Schreiben fürs Hören -Audioguides und Apps


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